Mailbox ist das englische Wort für Briefkasten. Aber das weiss ja sowieso jeder.
Die Bezeichnung Mailbox wird aber im '(neu-)deutschen' für mehrere verschiedene
Einrichtungen verwendet. Viele denken bei Mailbox an den automatischen
Anrufbeantworter ihres Handys oder an das eMail-Postfach auf dem Webserver
ihres Providers. Mailbox kann aber auch ein BBS = Bulletin Board System (engl.,
in deutsch etwa: Computersystem mit elektronischen 'schwarzen Brettern') sein.
Ein BBS kann man sich wie einen Provider im Internet vorstellen, nur eben eine
Nummer kleiner. Es ist mindestens ein Rechner, der 24 Stunden am Tag bereit ist um
Anrufe von anderen Rechnersystemen entgegenzunehmen. Bei den meisten Mailboxen sind
jedoch mehrere Rechner im Einsatz. Im Regelfall ein Server, der unter anderem
Festplattenkapazität zur Verfügung stellt und mehrere Clientrechner,
die Anrufe entgegennehmen oder andere Aufgaben (eMail-Verteilung, Fax, etc.) erledigen.
Ein BBS stellt seinen Benutzern normalerweise eMail (internationale
persönliche Nachrichten), News (öffentliche Nachrichten) und eine mehr oder
minder umfangreiche Filearea (Dateibereich, Programme) zur Verfügung.
Auch Faxdienste, SMS, Online- und Offline-Spiele sind nicht selten.
Es gibt verschiedene Mailboxstandards und -programme. Jedoch gibt es für den
Online-Besucher keine grösseren Unterschiede. Die bekanntesten Mailboxstandards
sind Fido, Maus und ZConnect.
Um Kontakt mit einer Mailbox aufzunehmen braucht man ein Modem oder eine ISDN-Karte,
ein Terminalprogramm und natürlich die Einwahlnummer(n).
Bekannte Terminalprogramme sind zum Beispiel: Telix (DOS und Windows),
Terminate (DOS), Zoc (Windows und OS/2), Fritz!com (Windows) und NCBTerm (Windows).
Auch das bei Windows 95/98/ME/NT4/2K mitgelieferte Hyperterm ist zur Not dafür zu gebrauchen.
Die meisten Mailboxen unterstützen die Anwahl sowohl mit Modems als auch
mit ISDN. Es ist zu beachten, dass sich bei manchen Mailboxen die Rufnummern der
Modem- von denen der ISDN-Ports unterscheiden.
Im Terminalprogramm sind die wichtigsten Einstellungen der COM-Port (nur bei
Modems und Terminaladaptern, meist COM2:), die Terminalemulation (fast alle
Mailboxen unterstützen den Modus ANSI bzw. ANSI-BBS), die Leitungseinstellungen
(nur bei Modems und Terminaladaptern, ist normalerweise immer 8-N-1, d.h. 8
Datenbits, No parity, 1 Stop-Bit), das D-Kanal Protokol (nur bei ISDN-Karten
und -Terminaladaptern, normalerweise X.75 (64k), manchmal auch V.110 und V.120) und falls man
Programme und andere Dateien übertragen will das Übertragungsprotokol für
Binärdateien (normalerweise immer ZModem).
Das hört sich jetzt kompliziert an, ist aber halb so schlimm, da die meisten
Terminalprogramme alles schon als Voreinstellung ausgewählt haben.
Eine weitere Möglichkeit mit einer Mailbox zu kommunizieren, ist die Benutzung
eines Pointprogramms. Ein Pointprogramm ist ein Offline-Reader für Mailboxen,
sozusagen eine ein-Mann Mini-Mailbox.
Der Vorteil dieser Möglichkeit liegt klar auf der Hand: Es ist nur für kurze
Zeit eine Verbindung über die Telefonleitung nötig. Danach kann man stundenlang
eMail und öffentliche Nachrichten (Newsgroups) lesen ohne weitere Telefonkosten.
Welche Vor- und Nachteile hat eine Mailbox für den Benutzer?
Die Vorteile sind zum Beispiel ein wesentlich schnellerer Bildaufbau, konstant
hohe Übertragungsgeschwindigkeiten und nicht zuletzt eine persönlichere
Atmosphäre als dies in der Anonymität des Internets der Fall ist.
Auch ist der Systembetreiber im Regelfall persönlich per eMail und per
Telefon erreichbar.
Die Nachteile sind:
Bei den meisten Mailboxen ist die Bedienung mit der
Tastatur vorzunehmen, Mausunterstützung ist eher selten. Auch gibt es nicht
so viele schöne, bunte Bildchen und Animationen. Und ganz wichtig:
Man findet in Mailboxen weder aufdringliche Werbebanner, noch Pornos, noch
immer und immer weiterführende Links auf irgendwelche Seiten, auf denen
noch mehr Links sind.
Natürlich ist das Angebot einer Mailbox nie so umfangreich, wie das
Angebot des Internets. Man stelle sich einen Internet-Server vor, der alleine
irgendwo steht und nicht permanent auf andere Server zugreifen kann. Eine
Mailbox verfügt im Regelfall eben nicht über eine Standleitung zu
anderen Mailboxen, sondern baut die Leitung in regelmässigen Abständen
zum Informationsaustausch auf und trennt anschliessend wieder.
Letzte Änderung: JSD, 2001-03-16.